Es ist ein Treffpunkt insbesondere für Menschen mit Hörproblemen, die keine Gebärdensprache beherrschen! Wichtig ist uns der Austausch über verschiedene Sorgen am Arbeitsplatz oder im Privatleben. Aber auch gegenseitige Hilfe durch Weitergabe von Erfahrungen und Tipps stehen im Vordergrund.
In Abständen sollen Fachleute zu Vorträgen eingeladen werden (weitere Bekanntgabe in der Regionalpresse). Aber auch Ausflüge und Aktionen stehen auf dem Programm. Zum Beispiel haben wir im Juni 09 gemeinsam den Schwerhörigen-Verein Schwerin besucht und gemeinsam die Bundesgartenschau angesehen.
Schwerhörigkeit im Alltag.
Im Gegensatz zu gehörlosen Menschen, deren Zahl sich auf ungefähr 80000 Betroffene in Deutschland beziffern lässt, ist die Zahl der schwerhörigen Menschen nur ungefähr einzuschätzen: 4 - 10 Millionen Betroffene sind nur eine grobe Schätzung. Das liegt zum einen an dem sehr unterschiedlich auftretenden Hörverlust und zum anderen an der Selbsteinschätzung der Betroffenen, "sich lieber eher nicht dazu zu rechnen". Oftmals dauert es in der Tat eine ganze Zeit, bis ich selbst Klarheit über meine eigene Schwerhörigkeit habe. Beginnend in großen Runden, z.B. in der Gaststätte, stelle ich fest, dass ich dem Gespräch nicht folgen kann. Der Gang zum HNO-Arzt wird hinausgezögert. Wird dann eine eingeschränkte Hörfähigkeit diagnostiziert, kann es noch lange dauern, bis ich diesen Umstand selbst akzeptiere. Das größte Problem ist dabei die Scham, anderen Menschen mitzuteilen, was ich jetzt in meiner veränderten Situation brauche!
Während sich ein großer Teil der gehörlosen Menschen in Vereinen und Verbänden organisiert, so lebt eine große Zahl schwerhöriger Menschen eher "unorganisiert", oft sogar zurückgezogen, was eine allgemeine Interessenvertretung besonders schwierig macht.
Es gibt aber ein paar klare Regeln der Rücksichtnahme im Umgang mit hörbehinderten Menschen:
1. In Gruppen und Kreisen allen Teilnehmenden deutlich machen: Nur 1 Person darf zur Zeit sprechen! Bei einem Stimmengewirr von 2 oder mehr Personen sinkt die Sprachverständlichkeit rapide.
2. Sprechende sollten niemals mit Licht im Rücken sprechen (Fenster etc.), da sonst das Gesicht im Schatten liegt. Die Mundbewegungen (Mundbild) und die Mimik sind aber wichtig für das Verstehen, wenn die Hörfähigkeit eingeschränkt ist.
3. Aus dem gleichen Grund sollte der/die Sprechende gerade im Gesicht gut beleuchtet sein.
4. Nichts vor den Mund halten (Hand, Papier, Pfeife), sondern möglichst Blickkontakt mit dem schwerhörigen Gegenüber halten und auch nichts im Mund (Zigarette, Kaugummi) haben.
5. Deutlich in normalem Sprechtempo sprechen, nicht wesentlich lauter sprechen, da sich sonst die Stimme verändert, vor allem aber ein vorhandenes Hörgerät übersteuert und die Stimme verzerrt.
6. Darauf achten, dass keine Silben verschluckt werden, insbesondere die Endsilben.
7. Während des Gesprächs darauf achten, dass diese Regeln eingehalten werden!
Schwerhörigkeit im kirchlichen Raum:
Für Kirchengemeinden ist diese Problematik eine große Herausforderung. Menschen, die an allmählichem Hörverlust leiden, ziehen sich zurück, weil sie in Gottesdiensten und Veranstaltungen nichts mehr verstehen. Niemand erhält aber einen Hinweis, warum der Rückzug geschehen ist. Deshalb ist es auch nicht einfach, Ursachenforschung zu betreiben.
In den Kirchen, bzw. Gottesdiensten gelten die gleichen Verhaltensmaßregeln wie im Alltag, es wäre darüber hinaus wichtig zu bedenken, dass im Gottesdienst die gesamte Liturgie überdacht werden müsste:
1: Kein Abwenden von der Gemeinde - auch nicht bei Gebeten! Sonst kann man das Mundbild nicht sehen. (Das ist die wichtigste Forderung der Schwerhörigenverbände).
2: Blickkontakt (um das Ablesen vom Mund zu ermöglichen, möglichst nicht von einer hohen Kanzel herab predigen. Ein Stehpult in nicht zu großer Entfernung von der Gemeinde benutzen)
3: Mimik einsetzen
4: gute punktuelle Beleuchtung des Sprechenden/Pastors/in
5: Lieder, Gebete und Predigt mittels Overhead-Projektor oder Beamer anzeigen (große Schrift)
6: Oberste Priorität hat aber die Forderung, Höranlagen zu benutzen, d.h. oftmals eine solche erst einmal zu installieren! Und diese regelmäßig zu überprüfen...
Angesichts der Zeiten knapper Kassen rückt die Neuinstallation einer Höranlage leider (!) fast immer in den Hintergrund - aber hier sollte einmal über das Menschenbild nachgedacht werden!
Auch der Hinweis auf eine vorhandene Lautsprecheranlage ist nicht viel wert, denn in den meisten Fällen helfen diese schwerhörigen Menschen gerade nicht, weil der Klang noch mehr verfälscht wird und Sprache unverständlich bleibt. Induktive, Infrarot- oder FM-Funk-Anlagen bringen da wesentlich mehr Nutzen. Eine Beratung in diesen Dingen ist notwendig - dazu stehe ich zu Diensten.